Seit ein paar Wochen flimmert die neue Werbung der Telekom über den Äther. Dort ist die Rede von “der Telekom-Cloud”, mit dessen Hilfe man seine Videos von jedem beliebigen Gerät in “die Cloud” laden und von dort anschauen kann.
Mit der Einführung des iOS von Apple gibt es nun auch dort für jeden Konsumenten sichtbar “die Cloud” – namentlich iCloud. Kollegen aus dem Büro verwenden nun schlagartig den Begriff “die Cloud” und das zunehmend inflationär – seitdem sie ein Update für ihr iPhone geladen haben.
Der Ausfall eines Switch bei RIM in Irland und die damit verbundenen Einschränkungen beim Black-Berry Dienst waren plötzlich auch ein Problem, das durch “die Cloud” verursacht wurde.
Woher kommt dieser plötzliche Anstieg der Präsenz in den Medien? Positiv kann dabei sicherlich vermerkt werden, dass das Cloud Computing entgültig im Markt angekommen zu sein scheint. Was damit aber anscheinend auch zwangsläufg einher geht, ist die unscharfe Betrachtung, was es mit Cloud Computing eigentlich auf sich hat bzw. was Cloud Computing ist und was es nicht ist.
Die Telekom-Cloud ist ein Web-basierter Speicherdienst, den es in dieser Form schon seit Jahren gibt. Die iCloud von Apple ist eine gelungende Weiterentwicklung von MobileMe – ein Dienst, der bei seinem Start im Jahre 2008 noch nichts mit dem Cloud Computing zu tun hatte und es aus Sicht des Autors auch heute noch nicht hat. Schlussendlich wäre der Switch bei RIM auch dann ausgefallen, wenn es das Cloud Computing gar nicht geben würde. Single-Points-Of-Failure sind so alt, wie das Konzept der zentralisierten IT-Infrastruktur.
Nachdem in der Cloud Computing-Community nach den ersten Jahren der Buzzwords mittlerweile die sachliche und forschungsorientierte Diskussion beginnt, bedeutet “die Cloud” im Consumer-Bereich leider wieder einen Rückschritt. Bleibt abzuwarten ob das Thema wieder auf eine sachliche Ebene zurückfindet, oder wir uns daran gewöhnen müssen, dass nun jeder “die Cloud” für sich entdeckt hat.